Pressemitteilung Die Linke Krefeld, Stadtratsfraktion Die Linke 27.10.2026
Keine Sicherheit ohne sozialen Rahmen! – zu den Maßnahmen der Krefelder Polizei im Rahmen ihres Konzepts „sichere Innenstadt“
„Reihenweise Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht, überall Menschen in Uniform: Gab es einen Banküberfall? Geiseln? Eine Schießerei? Das sind die Fragen, die einem in den Kopf schießen und das Gefühl, dass man bei dem Anblick bekommt. ‚Dem Sicherheitsgefühl‘ von dem die Rede ist, nützt das wenig.“, erklärt Samara Spielmann, Kreissprecherin der Linken Krefeld.
„Es gibt viele Menschen, die sich dabei nicht sicher fühlen durch die Stadt zu gehen, insbesondere Frauen und vulnerable Personen, insbesondere nachts – da gibt es Handlungsbedarf. Für diese Sicherheitsbedenken schaffen diese Maßnahmen jedoch keine geeignete Lösung. Also frage ich mich, um welches Sicherheitsbedenken es sich denn überhaupt handelt, dass eine solche Maßnahme geeignet sein soll? Es werden ohne konkreten Anlass Lokale und Personen kontrolliert, insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund. Von der auffälligen Social Media Inszenierung ganz zu schweigen.“
Ratsfrau Patricia Kanter erklärt zudem: „Wir fordern nachhaltige Lösungen. Mehr zu kontrollieren, bringt ohne Streetworker und ohne Auffangnetz im Hintergrund nichts, ein Platzverweis auch nicht. Wir sollten unsere wenigen Ressourcen nutzen, um den sozialen Rahmen drumherum auszubauen. Wir werden nicht müde zu fordern:
- Durchgehende Öffnung des DHZ rund um die Uhr
- Gesicherte Finanzierung der Frauennotschlafstelle und mehr Personal für diese
- Ausbau der Notschlafstelle Feldstraße
- Ein Notschlafstelle für obdachlose Jugendliche
- Einen öffentlichen Platz für die Szene der Suchterkrankten, an dem sie sich treffen darf.“
„Sowohl die Caritas, als auch Expert*innen fordern, dass die Szene einen Platz behält!“ sagt Ratsherr Stephan Hagemes, sozialpolitsicher Sprecher und Mitglied im Polizeibeirat.
Es bringt nichts, wenn mit einem Großeinsatz für das Sicherheitsgefühl demonstriert wird. Die Polizei Krefeld sagt selbst, dieser Einsatz war dafür da, ein Gefühl der Sicherheit zu übermitteln.
Ich möchte betonen: Ich kritisiere nicht grundsätzlich die Polizei, sondern diesen Großeinsatz, der uns ein Sicherheitsgefühl demonstrieren soll. Ich würde mir wünschen, dass auch die Ressourcen unserer Polizei sinnvoll und nachhaltig eingesetzt werden.
Ich wünschte mir, es soll nicht nur ein Gefühl der Sicherheit vermittelt werden, sondern auch daran gearbeitet werden, Sicherheit und Ordnung nachhaltig herzustellen. Krefeld leidet auch unter einer verfehlten Drogenpolitik der Bundesregierung. Sucht mit diesen Entzugserscheinungen lässt sich nicht verbieten!
Es ist rechtlich korrekt, einen Platzverweis zu erteilen, jedoch ist es verkehrt, nicht aus den gemachten Erfahrungen zu lernen. Wir verlagern das Problem immer nur ein paar Straßen weiter. Dadurch wird die Innenstadt auch nicht sicherer, sondern wir verlieren die Empathie zu den schwächsten unserer Gesellschaft, und das soziale Problem mit den Suchterkrankten wird nicht gelöst.“ So Stephan Hagemes weiter.
„Für die Sicherheit der Krefelderinnen und Krefelder in der Innenstadt sollten nicht abstrakte Gefühle, sondern konkrete Gefahren und nachweisbare bedrohungslagen maßgeblich sein. Wenn Polizei und städtische Behörden zunehmend von ‚Sicherheitsgefühlen‘ sprechen, entsteht der Eindruck, dass hier eine politische Sprachweise übernommen wird, deren Urspruch und Funktion uns durchausbekannt ist.“, mahnt Mourad Qortas, migrationspolitischer Sprecher des Kreisverbands.
